… please note the updated description of this research project in the second half of the text below … (July 2026)
„…ich habe mit großer Beglückung Ihren Allianzbau in der Königinstrasse angesehen und muß Ihnen meine Dankbarkeit dafür sagen, daß Sie so etwas Edles geschaffen haben. Ich muß alles streicheln, das Holz, den Stoff, die Nymphenburger Keramik, den Glasbrunnen, das Treppengeländer. Wie phantasievoll sind die Ornamente in den Öffnungen zur Halle, die Hallenwand selbst. Es sind 30 Jahre her, daß ich Östbergs Stadthuset in Stockholm sah, damals ganz neu. Solche Werke wie dieses und das Ihrige stehen außerhalb der Reihe des Üblichen.“ schreibt 1955 der 78-jährige Paul Bonatz in Euphorie an den jungen Wiedemann.
Das Gebäude für die Allianz ist das erste in einer Reihe von drei frühen innerstädtischen Verwaltungsbauten des Münchner Architekten Josef Wiedemann. Jedes einzelne für sich betrachtet, insbesondere aber ihre konsistente Folge stellt den frühen Zenit des später für seine sakralen Bauten bekannten, heute aber etwas in Vergessenheit geratenen Baumeisters dar. In ihnen offenbart sich eine Entwurfshaltung, die geprägt ist von einer großen architektonischen Eloquenz, die ihre Ursprünge wiederum in einer kontinuierlichen Tradition der europäischen Baukultur sucht. Die entsprechenden Bezüge finden sich neben vielen anderen zum Werk und zur Theorie von Heinrich Tessenow, Rudolf Schwarz und Gunnar Asplund.
Die Publikation „Josef Wiedemann. Die Wirkung der Dinge“ ist das Ergebnis einer Forschungsarbeit zum Frühwerk des Architekten Josef Wiedemann, die von Reem Almannai am Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruieren an der TU München initiiert und geleitet wurde.
Anmerkung: Was im Buch nur in einigen Fußnoten erwähnt wird, ist das sehr problematische Verhalten Josef Wiedemanns in der NS-Zeit. Er bearbeitete im Büro von Roderich Fick als dessen wichtigster Mitarbeiter Aufträge von größter Repräsentanz und Relevanz für die Nazis sowohl am Obersalzberg als auch in Linz. Einen eigenen Wettbewerbsbeitrag (1942) reichte er sogar mit dem Kennwort „Eva“ ein. Er war ein willfähriger, mehr als mitlaufender Opportunist wie sehr viele andere auch. Er war vermutlich wie sich an seiner späteren Flexibilität noch zeigte in keiner Weise ein von der Naziideologie durchdrungener Mensch. Er versuchte einfach zu jeder Zeit vorne mit dabei zu sein, was es moralisch alles andere als besser macht.
Im Buch wird hinsichtlich seines Opportunismus auch das sehr direkte Verwenden von Referenzen aufgezeigt. Wiedemann streitet jedoch an vielen Stellen ab, dass er zum entsprechenden Zeitpunkt überhaupt Kenntnis von den verwendeten Referenzen gehabt hätte. Die dem Buch vorangegangen Recherchen konnten jedoch eindeutig bestätigen, dass das nicht der Wahrheit entsprach. Mit der Wahrheit hielt es Wiedemann also sowohl gegenüber seinen Verstrickungen in der NS-Zeit als auch sonst nicht immer so ganz genau.
Aber wer bei Opportunismus auf andere zeigt, fange bei sich selbst an: Gegenüber der Tochter Wiedemanns, die mir für die Buchrecherche großzügig ihr Haus und Archiv öffnete, thematisierte ich – obschon ich volle Kenntnis davon hatte – dieses Kapital aus Wiedemanns Leben bewusst nicht. Ich befürchtetet, dass sich mir damit die offenen Türen gleich wieder verschließen würden. Und auch in meinen Buch versuchte ich aus der damaligen Faszination dem Werk Wiedemanns gegenüber, die dunklen Seiten seines Schaffens nicht all zu groß werden zu lassen.
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Programme Book / Research
Author / Editor Reem Almannai
Publisher Ernst Wasmuth Verlag Tübingen • Berlin
Drawings (new) Mathieu Boret, Alexander Richert, Laura Stefanie Schneider, Laura Wollenhaupt, Thomas Montulet, Noemi Orth
Photography (color) The Pk.Odessa Co, Markus Lanz, Sebastian Schels
Graphic Design Alexandra Rusitschka
Copy Editing Dr. Sigrid Hauser
Lithography humme leipzig
Duration 2012-2014
Status published
© 2014 Ernst Wasmuth Verlag Tübingen • Berlin
© Reem Almannai, München
© PK Odessa, München
